Andy Kaufman: Der Allmeister der Comedy Acts

2. Aug 2012

Wer „Man on the Moon“ mit Jim Carrey gesehen hat, kann trotzdem nicht ansatzweise das Genie von Andy Kaufman erahnen, dass sich dank des Internets in diversen Youtube Clips findet. Wie kaum ein anderer Comedian hat Andy Humor und die Erwartungshaltung seines Publikums geradezu zerstört.

Es gibt sie tatsächlich, diese Comedians, die einen Weg für andere offen machen, indem sie viel riskieren und dabei auch nicht davor zurück schrecken, einen ganzen Raum voller Menschen, die Eintritt für eine Comedy Show bezahlt haben, mit einer Lesung von „Der große Gatsby“ in seiner Gesamtheit in Rage zu bringen.

Andy Kaufman : Humor ist wenn man trotzdem lacht

Wenn man ihm glauben kann – und man kann es nicht wirklich – dann verbrachte der kleine Andy als Kind seine Zeit in seinem Zimmer, wo er sich vorstellte, dass eine Kamera in der Wand sein Leben aufnahm, so dass er in seinem Zimmer seine eigenen kleinen Shows aufführte.

An der Universität arbeitete er auch an einer eigenen Show für Kinder, „Andy’s Funhouse“, eine Showidee, die er später sogar für das Fernsehen vorschlug, die jedoch leider nie Fuß fasste.

Er war wohl von Anfang an etwas anders, aber viel weiß man nicht über seine Biographie, nicht zuletzt, weil Andy wie kein anderer ein ungemein unzuverlässiger Interviewpartner war, dessen Geschichten man niemals wirklich ernst nehmen konnte, wie folgendes Letterman Interview zeigt, in dem er seine drei adoptierten Kinder vorstellt:

Kaufman began direkt nach dem Schulabschluss seine Karriere als Stand Up und began schnell mit seiner „Foreign Man“ Routine für Furore zu sorgen. Timing spielte bei ihm immer eine große Rolle, da er jeden Gag immer gerade so weit trieb, dass das Publikum unsicher war, ob überhaupt noch eine Punchline zu erwarten war, um die Performance noch ein Stück weiter zu schleppen.

Weitere „berühmte Acts“ waren seine Tony Clifton Persona, der auch manchmal von seinem Bruder Michael oder Freund Bob Zmuda gespielt wurde. Clifton trat zeitweise als Supporting Act für Kaufman auf und wurde sogar auf den Flyern gelistet und schaffte es, als eigenständiger Artist rezensiert zu werden, da lange Zeit nicht klar war, dass es sich dabei um Andy, bzw. seine Freunde handelte.

Dass nach Andys Tod Clifton weiterhin gesichtet wurde, sorgte letzten Endes auch dafür, dass es heute immer noch Leute gibt, die denken, seine Krankheit selbst wäre ein Witz gewesen.

Andy Kaufmans Humor: Meta

Die Erwartungshaltung zerstören, das schien Andys Hauptziel gewesen zu sein, er muss ein kleiner Albtraum für Programmchefs gewesen sein, weil man nie wissen konnte, was genau er vorhatte. Als großer Fan der Wrestlingszene zettelte er Kämpfe mit weiblichen Wrestlerinnen an, fingierte Streits mit Talk Show Gästen und gab sich verwirrt und uneinsichtig in Interviews. Das alles konnte man immer als Part seines Acts sehen, Kaufman war niemals „off“, während man selbst Robin Williams ab und an einmal ernst erleben kann, schien Kaufman bei jedem seiner Auftritte eine bestimmte Rolle einzunehmen.

Besonders seine Stand Up Acts außerhalb der Talk Show Zirkulation sorgten für einen Ruf als Comedian, der wirklich alles für seine Kunst gab. Liefen seine Shows nicht gut und Heckler störten ihn in seiner Routine, dann begann Andy, aus „Der große Gatsby“ zu lesen, manchmal über mehrere Stunden hinweg. Ab und an fragte er, ob er lieber eine Platte spielen sollte, wenn das Publikum dem zustimme, legte er eine Platte auf, auf der Andy zu hören war, wie er „Der große Gatsby“ las.

Ein anderes Mal lud er alle Zuschauer zu Milch und Keksen bei sich zu hause ein und arrangierte ganze Buskolonnen, um sie alle zu sich nach hause zu karren.

Andere, ungemein populäre Routinen involvierten Andy, der einfach einen Song auf einem Plattenspieler abspielte um – ohne mitzusingen – bei bestimmten Parts des Songs Playback zu singen.

Seine Angst, für immer für seine Rolle in der Hitcomedyserie „Taxi“ und nicht seine anderen Performances bekannt zu sein, war völlig unbegründet, zeigte aber auf, wie sehr Kaufman seit jeher für seine Routinen und Personas einstand.

Skandale, Wrestling und SNL Verbannung

Besonders das Durchhaltevermögen Andys ist auch heute noch Inspiration vieler Comedians. Andy brach nie aus seinen Charakteren heraus, wenn er Latka war, blieb er Latka bis zum bitteren Ende, wie man auch bei seinem Auftritt der US Version von „Herzblatt“ sehen kann.

Witzig ist, was nicht witzig ist, die Dekonstruktion dessen, was man unter Humor versteht, war Andys größtes Vermächtnis und diese Herangehensweise hat zahlreiche Comedians beeinflusst, auch wenn man noch den Comedian suchen muss, der ähnlich mutig alle Regeln bricht, gleichzeitig völlig berechnend mit dem Publikum spielt.

Und das Publikum liebte es – mit Abstrichen. Seine Live Shows wurden regelmäßig von Leuten verlassen, das SNL Publikum fand seine Rolle als Frauenwrestler (für die er regelmäßig Frauen beleidigte) so unangenehm, dass sie ihn auf Andys Anfrage hin aus der Show verbannten.

Was als von Andy diktiertem Scherz anfing, ging nach hinten los und wie so oft verwirrte es den Comedian, wie ernst Leute seine für ihn offensichtlichen Gags nahmen.

Aber nach und nach hatte er selbst eine Karriere aufgebaut, bei der niemand wusste, was echt war und was nicht, da es unmöglich erschien, dass ausnahmslos alles ein Scherz war.

Seine Auftritte in anderen Shows sorgten für Skandale, besonders der unsympathische Entertainer Tony Clifton wurde aus Shows geschmissen und legte sich mit dem Publikum an, besonders der Lawler Streit wurde jedoch stark publiziert.

Sein Wrestling Act schien nämlich zu eskalieren als er gegen den männlichen Wrestler Lawler antrat, der einen illegalen Move anwandte und Andy für drei Tage ins Krankenhaus schickte. Bei einem gemeinsamen Auftritt bei Letterman verpasste Lawler Andy einen Schlag woraufhin Andy wütend die Show verließ. Niemand weiß bis heute, ob es geplant war oder nicht.

Genau deshalb kam sein Tod mit gerade einmal 35 Jahren wie ein Schock und selbst dann glaubten viele, dass er ihn nur fingierte. Und als Tony Clifton ein Jahr später vor ausverkauften Hallen auftrat, gab das den Ritterschlag für die Legendenbildung, ähnlich wie bei seinem Idol Elvis.

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