Bill Cosby: Comedy Legende weit über die Cosby Show hinaus

13. Jul 2012

Ach Cliff Huxtable, Stimme einer ganzen Generation, der Urvater der Teppichpullover und Comedy Legende. Mit dem 75. Geburtstag ist ein Blick auf das Leben einer Ikone angebracht.

William Henry Cosby Jr. wurde am 12. Juli 1937 in Philadelphia geboren, eine Zeit, in der es der amerikanischen Wirtschaft noch nicht ganz gut ging und in der auch die Gleichberechtigung noch nicht so fortschrittlich gehandelt wurde.

Bill Cosby: Vom Schuhmacher zum Serienvater Amerikas

Bills Vater war die meiste Zeit abwesend, als Mitglied der US Army war er oft unterwegs und mischte sich selten in die Belange der Kindererziehung ein. Bill wurde quasi von den Frauen seiner Familie aufgezogen, was ihm aber anscheinend wenig geschadet hat und ihn selbst auch zu einem Vater gemacht hat, der möglichst viel Zeit mit seinen Kindern verbringen wollte.

Während seiner Schulzeit spielte Bill in verschiedenen Sport Mannschaften, hatte diverse Jobs, um sich und seine Familie finanziell zu unterstützen und verpasste es sicher auch durch diesen Druck, die 10. Klasse abzuschließen. Der Klassenclown entschied sich, in einem Schuhshop als Auszubildender anzufangen, damals noch unwissend darüber, was für einen Einfluss er auf Amerikas Kultur und Gesellschaft hatte, doch Schuhmacher sah er schon früher nicht als seine Zukunft.

Wie viele junge Männer ohne Schulabschluss ging er zum Militär, so arbeitete er vier Jahre lang bei der Navy als Physiotherapeut und die Arbeit mit verletzten, traumatisierten Vets hatte einen großen Einfluss auf ihn.

Er machte seinen Schulabschluss und erlangte sogar ein Stipendium für die Temple University in Philadelphia und verfeinerte seinen Humor als Kellner, nachdem er merkte, dass ein amüsanter Kellner großzügige Trinkgelder bekam.

In den 60er Jahren begann er Stand Up Routinen in der Clubszene, in einer Zeit, in der besonders schwarze Comedians offen und kritisch über Rassenunruhen und Gleichberechtigung sprachen, fiel Cosby mit seinem sauberen und fast schon harmlosen Stand Up Programm auf, das er damit verteidigte, indem er sagte, dass er selbst über die Dinge redete, die das ganze Publikum vereinte – egal welcher Hautfarbe.

Es liegt wohl eine gewisse Ironie darin, dass der Comedian, der sich so vor diesen Themen wehrte, am Ende so viele Barrieren für Afro Amerikaner brach, angefangen mit der ersten Nebenrolle in einer Fernsehserie („I Spy“) bis hin zur ersten Sitcom einer afro-amerikanischen Famile der Mittelschicht, die einen enorm wichtigen kulturellen Stempel auf Amerika und seine Vorurteile setzte.

Familienfreundliche Comedy mit Cosby

Im Kontrast zu Comedians wie Pryor war Cosby nicht erschreckend und kontrovers für die teilweise noch arg vorurteilsbelastete Mittelklasse und avancierte sich schnell zu einem Lieblingsgast in der Tonight Show, bekam seine eigene Sitcom Ende der 60er Jahre („The Bill Cosby Show“) und begann darüber mehr und mehr afro-amerikanische Schauspieler und Künstler auf die Fernsehbildschirme der Nation zu bringen. Die Serie wurde angeblich nach gerade mal zwei Staffeln gecancelt, weil Bill sich weigerte, einen Laugh Track anzuhängen, da er davon ausging, dass die Zuschauer clever genug waren, zu erkennen, wann man lachen sollte. Der Sender sah es wohl nicht so.

Das zeigt sehr klar, wie Bills Denkweise war: Niemals die intellektuellen Fähigkeiten der Menschen unterschätzen, Vertrauen in sein Publikum und der Wunsch, durch genau dieses Vertrauen und Selbstbewusstsein Anspruch in das Fernsehprogramm zu bringen.

Über Jahre hinweg hat Bill Cosby es vermieden, profane oder ausfallende Comedy zu machen. Cosbys Stand Up, seine Serien und seine Shows waren für alle gedacht, die gesamte Familie. Zwischendurch arbeitete er an seiner Ausbildung, an der University of Massachusetts setzte er sich für ein Projekt für Studenten ein, die ihr Studium nicht beendet hatten aber für ihre Umgebung und Gesellschaft große Dinge geleistet hatten und so auch ohne BA Abschluss Gelegenheit zu einem Master Studium bekamen.

Das konnte er auch für sich beanspruchen als er mit der Kindersendung „Fat Albert and the Cosby Kids“ Inspiration für Kinder zum Lernen gab. Cosby war schon immer an Pädagogik interessiert und selbst wenn seine Show „Kids say the darndest things“ eher wie eine luftig leichte Serie wirkte, in der Kinder lustige Sachen von sich gaben, lag dahinter auch immer der Anspruch, Kindern eine Plattform zu geben, sich selbst heraus zu fordern und ihnen eine Stimme im Fernsehen zu geben.

Das mag komisch wirken, aber wenn man ehrlich ist, wie oft sieht man schon „echte“ Kinder im Fernsehen repräsentiert, stattdessen gibt es gekünstelte altkluge Versionen, die sich Drehbuchautoren ausdenken.

The Cosby Show

1984 lief die erste Episode der „The Cosby Show“, eine saubere Familienshow die der wachsenden Gewalt im Fernsehen ein harmloses Gegengewicht bieten sollte. Cosby hatte die volle kreative Kontrolle über die Serie und basierte die Charakter auf seiner eigenen Familie, seinen eigenen Hintergrund, weshalb Amerika plötzlich eine erfolgreiche, ausgebildete, intelligente, kulturell anspruchsvolle afro-amerikanische Familie sah, die Stereotype umwarf.

Beide Eltern waren erfolgreich, besonders Clair, die Dame des Hauses als Anwältin war auch aus feministischer Sicht eine ungemein wichtige Rolle, da sie den Kindskopf Cliff auf den Boden holte, ohne die gehässig zickige Attitüde heutiger Sitcom Frauen zu repräsentieren, die immer den Spaß verderben. Clair war ein Vorbild, ebenso wie alle Huxtable Mitglieder.

Durch das Aufnehmen der vielen kulturellen Einflüsse afro-amerikanischer Kultur bekam ganz Amerika eine vielfältige, lebendige, humorvolle und liebevolle Familie zu sehen, die nicht für die Punchlines dargestellt wurde, sondern für ihre Natürlichkeit und die realistisch humorvollen Szenen, die eine Familie täglich erlebt.

Genau dadurch, dass selten bis gar keine Rassenprobleme in der Serie angesprochen wurden, konnte sich ein konfliktfreies Bild darstellen, eine Identifizierung mit den Huxtables die dadurch erreicht wurde, dass es kein „wir“ und „ihr“ gab, sondern nur das universelle „wir“.

Bis zur letzten Staffel 1992 war die Cosby Show eine der erfolgreichsten, wenn nicht sogar DIE erfolgreichste Sitcom Amerikas, ein Erfolg, der in Cosbys Filmprojekten und anderen Serien in den 90ern leider nicht erreicht werden konnte, weshalb Filme wie „Ghost Dad“ eher als unschöne Fußnoten von seinem Kulturerbe gesehen werden.

Bill zur Bildung: engagiert aber kontrovers

Auf privater Ebene machte sich besonders der ältere Cosby an riskante Themen. Der Sozialpädagoge beschäftigte sich viel mit Erziehungs- und Familienthemen der afro-amerikanischen Bevölkerung und sorgte für einige Kontroversen durch Kommentare, dass afro-amerikanische Familien sich intensiver mit Kindererziehung auseinander setzen sollten, dass Jugendliche sich bei der Ausbildung mehr auf Selbstrespekt und Bildung als Sport und Mode konzentrieren sollten.

Zudem sprach er sich vermehrt gegen das „toughe“ Image schwarzer Jugendlicher aus und riet dazu, diese altmodischen Anforderungen an Männlichkeit zu überdenken vor allem in Hinblick auf die Kriminalitätsstatistiken.

Solche Kommentare schienen vor allem im Hinblick der Sozio-ökonomischen Faktoren afro-amerikanischer Familien sehr naiv, weshalb Cosby auch viel Kritik für seine Meinung erhielt, da sie – wenn auch von Herzen – etwas unüberlegt erschien angesichts der schweren sozialen Lage vieler Afro-Amerikaner.

Gleichzeitig sprach er damit ein großes kulturelles Problem an, denn sieht man sich eine Kultur an, in der Nerds, Streber und Kids, die keinen Hip Hop mögen als Oreos angesehen werden und in der jemand wie Carlton (Prinz von Bel Air) die Punchline vieler Witze ist, weil er nicht dem Hip Hop Ideal entspricht, dann ist es kein Wunder, dass eine gute Ausbildung, der Drang zu lernen und die Ambition mehr als nur Rapstar zu werden, allgemein als peinlich angesehen werden.

Cosbys Argument: Diese Rückbewegung in afro-amerikanischer Identität zeigt sich in frauenfeindlichen, gewalttätigen und bildungsfeindlichen Klischees, die sich mehr und mehr im Unterbewusstsein festsetzen und verbreiten. Und genau das muss kritisch betrachtet werden und genau da muss es eine Gegenbewegung geben.

Kultur und Comedy für viele Generationen

In späteren Jahren begann Cosby viele kleinere Projekte, er schrieb Bücher (das letzte 2011 veröffentlicht „I didn’t ask to be born“) und produzierte eine Kinderserie auf Nickelodeon, deren Hauptcharakter Little Bill die Catchphrase seines 1997 ermordeten Sohns aufnahm.

Über seinen Sohn hat Cosby auch nur das Beste zu sagen, so meinte er auch, dass Ennis sein Vorbild gewesen sei, der übrigens auch Inspiration für Cosbys Fernsehsohn Theo Huxtable war, da er ähnlich an Dyslexie litt und trotzdem Lehrer werden wollte.

Bill Cosby ist für viele der Vater der Nation, eine ruhige, intelligente Autoritätsperson im TV Geschehen, ein passionierter, alberner Klassenclown, dessen Intelligenz in den Augen glitzert, der vielleicht nicht immer die notwendig kritische Stimme einer Generation war, dafür aber mit familienorientiertem Humor Pädagogik und Comedy vereinte und maßgeblich den Weg für viele afro-amerikanische Comedians, Schauspieler und Künstler schuf, für letztere auch durch die vielen Cameos in seinen Sendungen.

Nicht zuletzt dadurch hat Bill Cosby mehr als nur Comedy an die Leute gebracht, sondern ein kulturelles Erbe, ein positives, alternatives Image zu den üblen Klischees der „Vom Winde verweht“-Fried Chicken-Macho-Stereotype, der gutmütigen, magischen Sidekicks a la Onkel Remus, der lauten Straßenmädchen mit „Attitüde“. Bill Cosby ignorierte die Hautfarbe in allen seinen Serien, Stand Up Routinen und Büchern und vereinte somit im gemeinsamen Erlebnis.

Danke dafür.Similar Posts:

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