Der Heckler: Gefürchteter Störfaktor beim Stand Up

Kategorie: Comedy
15. Mai 2012

Stand Up Comedian sein ist hart verdientes Geld, denn eine mehr oder weniger große Gruppe von Menschen zum Lachen zu bringen, ist schwerer als gedacht. Dass man da niemanden braucht, der einem Punchlines und mehr versaut, sollte klar sein, ist vielen Hecklern aber unbekannt.

Als Heckler bezeichnet man eigentlich jeden, der bei einem öffentlichen Auftritt nicht am Rednerpult steht, dennoch seine Redezeit einfordert und bewusst oder unbewusst den Redner aus dem Konzept bringt.

Heckler: Die illustre Ansammlung der verschiedenen Störenfriede

Im politischen Bereich sind Heckler eine gute Opposition zu den üblicherweise einstudierten und wenig inhaltsvollen Reden, allerdings haben viele Politiker sich mittlerweile angewöhnt, vor Menschengruppen mit derselben Einstellung zu sprechen und bei öffentlichen Veranstaltungen möglichst das Mikro so laut einzustellen, dass niemand drüber reden kann.

Im Entertainmentbereich gibt es diverse Sorten an Hecklern, da nicht jeder, der eine Routine unterbricht, auch böse Absichten hat. Klar ist jedoch, dass bis auf wenige Ausnahmen, die meisten Heckler stören und deshalb eher unerwünscht sind. Nur wenige, mutige Comedians wie etwa Ross Noble fordern ihr Publikum gerade zum Hecklen auf.

Da die meisten deutschen Stand Ups anscheinend vor ähnlich ruhig gestelltem Publikum auftreten, wie Politiker, sind die Videobeispiele auf Englisch.

Der aggressive Heckler will unbedingt stören. Das kann daran liegen, dass er betrunken ist (Comedians werden bestätigen, dass die Mehrzahl an Hecklern sehr betrunken ist), das Set nicht mag, den Comedian nicht mag oder einfach nur Aggressionen abbauen will. Gerade männliche, aggressive Heckler gehen oft in eine Show hinein, um dort Stunk zu machen, während die weiblichen aggressiven Heckler nicht selten den Comedian einfach unsympathisch finden.

Viele Heckler denken, dass sie es besser machen könnten, was jedoch zu 99% als Irrtum bewiesen werden kann, wenn der Heckler denn mal auf die Bühne gebeten wird. Denn – wäre er ein echter Stand Up Comedian, würde er sicher auch genug Respekt vor dem Job haben, die Routine nicht zu stören.

Betrunkene Frauen sind überraschenderweise sehr häufig beim Hecklen an vorderster Front. Dabei gibt es die naiven Mädels, die denken, sie würden direkt angesprochen werden (nicht selten sind das auch die hübschen Mädels, die sonst immer der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens sind) oder aber Frauen, die mit irgendetwas ein Problem haben, was der Comedian gesagt hat.

Manche Heckler denken tatsächlich, sie würden dem Comedian helfen, indem sie etwas witziges sagen. Die Wahrheit ist: sie tun es nicht, ganz im Gegenteil.

Warum Heckler fast immer stören

Eine Stand Up Routine ist in den meisten Fällen einstudiert und spielt mit den Erwartungen der Zuschauer, baut auf Spannung und Rederhythmus auf. Ob nun ein Satz mit Punchline oder eine elaborierte Geschichte – der Comedian baut eine gewisse Spannung auf, die mit dem Gag gelöst wird und hoffentlich in Gelächter endet.

Brüllt jedoch jemand etwas dazwischen, wird genau diese Spannung aufgelöst.

Gehört man zu den Comedians, die nicht mehr als zwei, drei Sätze auf einen Gag verwenden, ist das zwar unglaublich nervig, aber der Comedian kann die Situation oftmals retten, auch wenn es schwerer und schwerer wird, wieder in den Rhythmus hinein zu kommen.

Handelt es sich jedoch um eine Routine, die auch eine Zeit lang ohne Gag auskommen muss, um die Punchline umso kontrastierter zum Vorschein zu bringen, kann ein Heckler ein Programm von 5-10 Minuten ruinieren und somit auch die Punchline, wie hier im Fall von Patton Oswalt geschehen:

Zudem muss man als Heckler selbst immer daran denken: Selbst wenn einem die Show nicht gefällt, sollte man nicht so egoistisch sein, anzunehmen, dass niemand sonst dort ist, um den Comedian zu sehen. Wenn es einem nicht passt, kann man den Raum verlassen, aber man sollte es nicht für alle anderen ruinieren, zumal man – so sehr man es sich auch wünscht – in den allerwenigsten Fällen wirklich etwas zum Programm beizutragen hat.

Wer denkt, er kann es besser, sollte sich die nächste Open Mic Night suchen und sich selbst dem kritischen Publikum stellen. Diese Lektion sollte sowieso jedem Heckler aufgezwungen werden, damit er weiß, was ein Stand Up so über sich ergehen lassen muss.

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