Der Roast: Amerikanische Comedy Kultur zum Selbsthumor

Kategorie: Comedy
28. Jun 2012

Es ist ein wichtiges Erlebnis in der amerikanischen Kultur, wenn sich eine oftmals hoch angesehene Persönlichkeit von Freunden, Familie oder sogar anerkannten Comedians in der Luft zerreißen lässt, das alles natürlich vor einem großen Publikum. Warum? Das erfährt man hier.

Wer über sich selbst lachen kann, wird allgemein als ein intelligenter, selbstkritischer Mensch erachtet, der auf dem Boden geblieben ist, kein Wunder, denn es zeugt von Einsicht in die eigenen Fehler und auch die Anerkennung dieser und genau darum geht es beim Roast.

Was passiert bei einem Roast?

Bei einem Roast gibt es eine Reihe an Rednern, die den Ehrengast auf komödiantische Art und Weise vorführen. Veranstaltungen wie diese werden oftmals groß angelegt, viele Chefs großer Firmen lassen sich „roasten“, ebenso wie viele Celebrities. In Amerika gab es daher schon Donald Trump, Charlie Sheen, William Shatner und Joan Rivers im Hot Seat, wobei die Veranstaltungen für Comedians (auch Chong und Ben Stillers Vater Jerry Stiller mussten schon einmal da durch) vielleicht witziger, Veranstaltungen für große Persönlichkeiten dafür umso spannender sind.

Wozu dient ein Roast?

Mittlerweile ist es eher eine clevere Marketingstrategie, bevor sich Trump mit seiner Präsidentschaftsaufstellung in Grund und Boden blamiert hatte, diente sein Roast sicher auch dazu, sein Image im Vorfeld etwas aufzuhübschen.

Historisch gesehen hat ein Roast jedoch sehr viel wichtigere Nutzen. Wie der europäische Karneval, bei dem die Bürger oftmals den Adel parodieren durften ohne ernste Folgen zu fürchten (beispielsweise eine Hinrichtung), dient ein Roast als eine Art Entspannung zwischen hohen Gefällen in Besitz und sozialem Stand. Im Falle von Karneval konnte der Adel so die Wut des „Pöbels“ über lange Zeit hinweg dämpfen.

Trump, einer der reichsten und berühmtesten Männer Amerikas, hat sich im Laufe der Jahre sicher nur wenig Freunde in der normalen Bevölkerung gemacht, Antipathie und Aggressionen steigen an, je dekadenter Trump, desto frustrierter all diejenigen, die nicht Trump sind.

So ein Roast kann hingegen all diese Aggressionen auf ungefährliche Art und Weise lösen, indem man über das Objekt der Abneigung lacht und ihn quasi in einer sehr unbequemen Position sieht.

So etwas kann natürlich auch nach hinten los gehen, etwa wenn jemand sich selbst freiwillig roasten lässt, aber nicht selbstkritisch genug ist, um zu wissen, was kommen könnte. Gute Miene zu bösem Spiel muss man dann beweisen, wenn man plötzlich mit Kritik überhäuft wird, die man aufgrund eigener Arroganz nicht erwartet hat. Genau in diesen Momenten ist aber so ein Roast genau das, was ihn ausmacht.

Genau das machte übrigens Chevy Chase durch, der laut vieler Kollegen ein ungemein unsympathischer, arroganter Zeitgenosse war und bei dem man sich im Nachhinein fragen muss, warum er überhaupt zugesagt hat. Nicht nur, dass kaum prominente Stand Ups anwesend waren, waren die Bits auch so derbe und bitter, dass man am Ende nur noch Mitleid mit ihm haben konnte.

Natürlich macht es Spaß, sich anzuhören, wie Ben Stiller über seinen Vater herzieht, aber sehr viel schöner ist es, wenn Saturday Night Live Chef Seth Meyers über Donald Trump herzieht, der beim White House Dinner nicht damit gerechnet hat (im Gegensatz zu seinem eigenen Roast, moderiert von Seth „Family Guy“ McFarlane). Das ist übrigens eine der jährlichen und heiß ersehnten Gelegenheiten außerhalb den drei politischen Comedyformaten im US Fernsehen (Daily Show with Jon Stewart, Colbert Report und einzelne Sketche in SNL), gegen die Politiker auszuholen und das vor ebenjenen Politikern, wobei diese nicht nur einstecken müssen, sondern auch ausholen dürfen:

Es ist amüsant, bissig und kann ehrliche Kritik an etablierte Persönlichkeiten klar werden lassen, letzten Endes ist es aber auch selten ein Wendemoment, weshalb man so viel über Trump und Co sagen kann, wie man will, es wird ihn nicht davon abhalten nach dem Geburtsvideo von Obama zu fragen, nachdem die Geburtsurkunde nicht gereicht hat, ebensowenig wird es Chevy Chase zu einem besseren Menschen machen. Aber wenigstens durfte man lachen und das ist schon mehr als man sonst erwarten kann.Similar Posts:

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