‚Enlightened‘ mit Laura Dern: Dramödie neu erfinden

Kategorie: Kino und TV
2. Jul 2012

HBO traut sich was, da wird mit einer Serie wie „Enlightened“ schnell einmal so subtil die Grenze zwischen Comedy und Drama überschritten, dass viele nicht wirklich wissen, was sie von dieser ungemein unsympathischen Laura Dern halten soll. Wir halten viel von ihr.

Jellicoe (Laura Dern) ist am Ende, nach einem Nervenzusammenbruch auf Arbeit im Zuge ihrer Trennung mit ihrem Chef flüchtet sie für ein paar Wochen in ein Therapielager.

Erfrischt und voller esoterischer Weisheiten angefüllt, kehrt sie wieder, zieht bei ihrer Mutter ein und muss sich mit eingezogenem Schwanz bei ihrem alten Arbeitgeber einschmeicheln. Doch schnell wird klar, auch wenn sie ruhig und weise wirkt, Jellicoe schleppt immer noch alten Ballast mit sich herum, nicht zuletzt in Form ihres Ex Mannes Levi (Luke Wilson).

Enlightened: Menschlichkeit in Sympathielosigkeit finden

Da regen sich Kritiker auf, dass man nicht mit Jellicoe mitfühlen kann, dabei ist genau das doch der Reiz von „Enlightened“, denn wärend man sich bei „Stromberg“ offensichtlich über seine Charaktere lustig macht, ist Jellicoe so verletzlich, dass man sich eben nicht traut, dass es eben wirklich weh tut ihr dabei zuzusehen, wie sie in ein Fettnäpfchen nach dem anderen tritt, sich egoistisch zum Zentrum ihrer Umgebung macht und dabei viel zu oft ihre Umgebung aus den Augen verliert.

Wenn dabei etwa eine Babyparty zu ihrer umweltpolitischen Bühne wird oder sie die offensichtlichen Gefühle ihres Mitarbeiters naiv für professionelle Hilfsbereitschaft hält und sich von ihm ihre Arbeit machen lässt, dann will man ihr gar nicht dabei zusehen wie sie ihren Willen bekommt, weil sie offensichtlich niemals etwas dazu lernt, gleichzeitig werden wir aber ebenso dazu gezwungen zu sehen, woher diese unangenehme Person kommt, warum sie so ist, wie sie ist und warum sie besser sein will, aber nicht aus ihrer Haut kann.

Erleuchtet ist sie dabei weniger, aber sie will es sein und genau darum geht es, dieser ständige Wunsch, endlich diese Antwort, Lebenseinstellung und den Platz im Leben zu finden, wo alles in Ordnung ist. Dass es den nicht gibt, mag der Zuschauer nach und nach erkennen, Jellicoe tut es leider nicht.

Laura Dern gibt sich wandelbar

Obwohl man in „Enlightened“ viele alberne Charaktere zu sehen kriegt, ist niemand überspitzt, keiner dient zu gehässigen Lachern, jeder hat seine Berechtigung auf Respekt und ist gleichzeitig einfach nicht in der Lage, sein Leben so zu gestalten, wie er es will.

Dass die Schauspieler so gut gecastet wurden, tut einiges dazu bei, Laura Dern schafft es beispielsweise überraschend gut, in einer Einstellung wie Mitte Zwanzig, in der nächsten wie Ende Vierzig auszusehen, so hässlich schön wie sie trauen sich auch nur wenige Schauspielerkollegen zu weinen.

Das ist auch witziger, als es jetzt klingen mag, da Jellicoe derart selbstverständlich an ihre unrealistischen Projekte heran geht und so sehr an einen zickigen Teenager erinnert, dass man das ein oder andere Mal sicher auch ein Stück seiner selbst wieder erkennt.

Zusammen mit wunderschönen Bildern, einem perfekten Soundtrack und Folgen wie „Consider Helen“, in der man Jellicoes Mutter näher kennen lernt und die zu den bewegendsten TV Momenten des Jahres zählen dürfte, ist „Enlightened“ eines dieser seltenen Juwele, die ernste und vor allem echte Lebenskrisen dennoch leichtfüßig verpacken können.

Deshalb kann man auch froh sein, dass HBO die Serie auf eine zweite Staffel verlängert hat und wer damit nichts anfangen kann, der kann ja weiterhin die weniger feinfühligeren späten Staffeln von Stromberg genießen.

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