George Carlin: Linguistischer Stand Up eines Misanthropen

26. Jul 2012

George Carlin war einer der großen, legendären amerikanischen Stand Up Comedians, der Amerika mit amüsiertem Abscheu beobachtete und seine Routinen nutzte, um sich über alles lustig zu machen, das Publikum und sich inklusive.

Es ist merkwürdig, ihn bei seinen Stand Ups zu sehen, George Carlin ist ein Meister darin gewesen, scheinbar triviale Alltagsthemen mit übergreifender Sozialkritik zu verbinden, ein kleines Wort zu behandeln und es derartig auseinander zu nehmen, dass es zu einem Symbol gesellschaftlicher Abszesse transformierte.

George Carlin: Das Kleine, das Große und die Sprache

Politisch war er, bissig, kein Menschenfreund, dafür ein Freund der Sprache. Immer wieder faszinierte es ihn, wie sehr einzelne Wörter etwas verschleiern, verschönern oder verzerren konnten. Sein „Seven Words“ Skit brachte ihm sogar eine Festnahme ein, da man ihn für öffentliche Obszönitäten nach einer Stand Up Show anzeigte.

Auch das ein Zeichen des absurden Amerikas, denn das geschah in den 70er Jahren, einer Zeit in der man das Fluchen in der Öffentlichkeit lange nicht mehr mit Gefängnis bestrafen sollte.

Tatsächlich wurde dieser Fall zu einem weit verbreiteten Gerichtsfall, der mit den Worten beschlossen wurde, dass die Flüche vielleicht unangebracht, Carlin jedoch die Freiheit hätte, sie zu sagen, so lange sie keine Unruhen kreierten (was das auch immer heißen soll).

Für seine Karriere war dieser Skandal gern gesehener Treibstoff und dass er mitten während einer Stand Up Routine die Nachricht bekam, dass er einen Grammy für sein Comedyalbum „FM & AM“ gewonnen hatte, war sicher auch diesem kleinen Kampf mit der amerikanischen Doppelmoral zu verdanken.

George war es auch, der als erster Gast in der ersten Staffel von Saturday Night Live auftrat, dafür musste er nicht einmal in den Sketchen mitspielen, sondern durfte eine normale Routine zum Besten geben.

Das heißt jedoch nicht, dass er nicht schauspielerische Ambitionen hatte und sich vor dem Kino scheute.

Als hochgeschlossener Geistlicher in „Dogma“ als Rufus in „Bill & Teds verrückte Reise“ und als Fillmore in „Cars“ – immer mal wieder machte er einen Abstecher nach Hollywood.

Aber im Gegensatz zu Comedians wie Bill Cosby, Jerry Seinfeld und Richard Pryor war es immer die Bühne, die ihn zu sich zurück zog und das war auch gut so.

Es ist interessant, Carlins Entwicklung durch die Jahrzehnte zu verfolgen. Wie fast jeder Stand Up begann er mit lustigen Kostümen, in den 70ern erfand er sich jedoch neu, bzw. erfand sich zurück zu George Carlin und keinem überdrehten Alter Ego.

In Shirt, langen Haaren und Schlaghosen redete er vorwiegend über die kleinen, nervenden Dinge, die das Leben schwer machten oder es einfach das bisschen sinnloser gestalteten, wie sein Bit über Regeln beweist.

Misanthropischer Stand Up

Später wurde er offensichtlich aggressiver, politische und soziale Irrsinnigkeiten nahmen mehr und mehr Platz in seinen Routinen ein, zum Ende seiner Karriere, die er bis zum wirklich bitteren Ende verfolgte, gab es wohl niemanden, der so wütend und gleichzeitig so witzig über die Menschheit herzog. Wäre Bill Hicks noch am Leben gewesen, hätte Carlin vielleicht Konkurrenz gehabt aber so blieb er bis zu seinem Tod 2008 und weit darüber hinaus ein passionierter Verfechter der These, dass die Menschheit jedes Unglück verdiente, das ihr zustieß.

Das machte ihn nicht zu einem schlechten Menschen, sondern zu jemanden, der die Menschen lieber etwas vernünftiger gesehen hätte, sich selbst eingeschlossen. Und wo wäre Comedy ohne die wütenden Comedians? Irgendwo in der Media Markt Werbung wahrscheinlich.

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