Heinz Erhardt – Noch n Gedicht!

4. Okt 2012

Heinz Erhardt erwärmt das Herz. Der Komiker, der gerne gegen Diäten dichtete und trotz sauberen Themen tiefgründig zeitlose Lacher mit Worten komponierte, wollte eigentlich Pianist werden. Seine Gedichte werden ebenso wie seine Filme heiß geliebt.

Erhardt wurde 1909 in Riga geboren und zog erst mit zehn Jahren nach Deutschland. Nach 15 Schulwechseln bestand er das Abitur nicht. Er schloß sich einer Spieltruppe an, studierte zwei Jahre Klavier in Leipzig und wurde von seinem Großvater in sein Musikhaus gesteckt, damit er eine kaufmännische Ausbildung erhält. Seine Karriere begann mit selbst vorgetragenen Liedern in Riga, so tingelte er durch Kaffeehäuser bis er von Willy Schaeffers 1938 nach Berlin an das Kabarett der Komiker geholt wurde. Aussortiert vom Militär kam er 1941 nach Stralsund zur Marine, dort wurde ein Klavierspieler für das Orchester gesucht. Nach dem Krieg begann der Pazifist beim Radio zu arbeiten und ließ sich mit Frau und Kindern in Hamburg nieder.

Heinz Erhardt und seine Filme

Erst ab 1957 ging es dank der Kinofilme so richtig los. Es waren typische Nachkriegsthemen, keine schwer verdaulichen Geschichten, so gehören zu den Klassikern „Der müde Theodor“, Witwer mit fünf Töchtern“, „Der Haustyrann“, „Immer die Radfahrer“, „Natürlich die Autofahrer“ und „Was ist denn bloß mit Willi los?“ Dabei war es vor allem seine Art und natürlich auch der füllige Körper, der seiner Figur den besonderen Witz gab. Allerdings war die heile Welt doch realistischer als es scheint, Erhardt spielte und parodierte den typischen Deutschen der Nachkriegsjahre. Unvergesslich sind auch seine Sprachspiele, hätte es damals den Begriff Stand-up Comedian gegeben, er wäre einer der besten seiner Zeit gewesen.

Noch n Gedicht!

Er hat gerne ganze Redewendungen verulkt, Gedichte geschrieben und den verwirrten Durchschnittsbürger gespielt. Er schrieb über Winter und Sommer, Brillen, Geburtstag und über das Dichten selbst, beim genaueren Hinhören bemerkte man immer einen Unterton, oft handelten seine Texte von der Vergänglichkeit und von Tod, manchmal war das Thema so direkt und offen, dass man die Ernsthaftigkeit gar nicht bemerkte, weil sie so klar war. Er hätte sich sicher auch heute durchgesetzt und eine tolle Besetzung für Serien wie „The Office“ dargestellt. Er spielte auch gerne und untermalte so seine Darbietungen, manchmal sogar mit einem kleinen Tanz. Auch Rudi Carrell und Udo Jürgens waren mit ihm auf der Bühne.

Der Ruhm und die Krankheit

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich mit dem Alter und 1971 erlitt er einen Schlaganfall, der auch noch sein Sprachzentrum so in Mitleidenschaft zog, dass er nicht mehr sprechen konnte. Ein harter Schlag, Erhardt zog sich ins Privatleben zurück. Damals war er schon ein Star, wurde geliebt und mit Genesungsbriefen überschwemmt. 1979 erhielt er sogar das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, nur vier Tage später starb der große Dichter.

Senie Großartigkeit lässt sich in seinen beliebten vier Zeilen erkennen, so schrieb er:

„In vier Zeilen was zu sagen erscheint zwar leicht,

doch es ist schwer!

Man braucht ja nur mal nachzuschlagen:

die meisten Dichter brauchten mehr.“Similar Posts:

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