Heinz Strunk: Kultur frisst Comedy

13. Jun 2012

Er will eigentlich nicht zur deutschen Comedy gezählt werden, ist aber leider so witzig, dass man nicht immer umhin kommt. Als Teil der sagenumwobenen Studio Braun erlangte er Weltruhm, aber auch solo unterwegs durfte er schon so manche gebrochene Herzen kitten.

1962 in Hamburg geboren, ist der „Heinzer“, wie er unter Fans gerne genannt wird, ein Renaissance Mensch der deutschen Kulturszene, schreibt, musiziert, beobachtet mit hochgezogener Augenbraue, wie man schuldbewusst eine Currywurst in der Mittagspause verdrückt und dabei Fettringe um den Mund zieht und betreibt als Mitglied der Die PARTEI sogar Politik.

Heinz Strunk: Querflöte und Schlagerparade

Mit klassischer Musikausbildung muckerte er jahrelang in der Kapelle Tiffanys, zog durch Hochzeiten, Volksfeste und andere gutbürgerlicher Schlagerschwankkultur und spielte irgendwann in Eigenregie ironische Kleingartenmusik auf „Spaß mit Heinz“ ein. Damals noch als Mathias Halfpape, das klang aber nicht halb so derb, weshalb das Konsonantenstarke Heinz Strunk irgendwann herhalten musste, das deutsche Äquivalent von „George Michael“, sozusagen.

Über Bela B gelang der auch hierzulande als Popliterat verkannte Rocko Schamoni („Dorfpunks“) in den Kontakt mit Querflötist Strunk und zusammen mit Jacques Palminger sollte sich aus dieser schicksalshaften Begegnung später das allseits verstörende Studio Braun entwickeln. Dieses wurde vor allem durch Radioauftritte, Telefonterror und Hörspiele berühmt berüchtigt, demnächst wird es auch einen entsprechenden Kinofilm geben, der für Ende 2012 angekündigt wird und schon jetzt als heißer Oscar-Anwärter gilt.

2003 bis 2004 würde Strunk für eine glorreiche und schändlich kurze Zeit „Fleischmann TV“ auf Viva moderieren, eine Call In Show mit dem damals schon seelenlosen Top 40 Musikprogramm, das von Strunk, bzw. dem Alter Ego Fleischmann in Grund und Boden kommentiert wurde.

Kann nicht jeder: Literarisch hochwertig im Ordinären wühlen

Schriftstellerisch ist Strunk mit seinem halbwegs autobiographischen Werk „Fleisch ist mein Gemüse“ durch die Decke gegangen, das man sich – wie auch all seine anderen Bücher – vor allem in der Hörbuchversion einverleiben sollte, um in den vollen Genuss zu kommen. Es folgten „Die Zunge Europas“, das Ferienlagererlebnis „Fleckenteufel“ und der wohl ebenso autobiographisch verfärbte „Heinz Strunk in Afrika“ Reisebericht, der allerdings im obligatorischen Reisebericht-Umfeld anderweitig bekannter Schreibkollegen eher mit dem überraschungsarmen Hotelaufenthalt eines verschreckten, immer schwitzenden Touristen ringt, als mit bewusstseinsverändernden Abenteuern in exotischen Welten.

Auf die Bühne zieht es Heinz Strunk auch immer wieder, ob nun in Lesungen eigener oder Fremdliteratur (zusammen mit Charlotte Roche etwa „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern“), operettierend mit „Phoenix – Wem gehört das Licht“ oder aber im Auto eingeklemmt im fast schon dadaistisch ziellosen „Immer nie am Meer“.

Als einer der Hamburger Spitzenkandidaten der Die PARTEI durfte er mit einer phänomenalen Rede 2011 sogar Höchstwahlwerte einheimsen, was er nicht alles kann, wenn er mit scheinbar leicht angewiderter Eloquenz die nicht immer schönen Körper seiner Umwelt in Worte wickelt und sich dabei selbst nicht auslässt. Seine Bücher sind wie der fleckige Spiegel in einer herunter gekommenen Kneipe, sein Liedgut holperig geniale Ironiegranaten und was auch immer er mit Studio Braun macht: weitermachen.

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