Mario Barth, Cindy aus Marzahn und Co: Der faule Stand Up Comedian

Kategorie: Allgemein
1. Jun 2012

Sie sind populär und verdienen viel Geld, bekommen jedes Jahr dieselben Preise als Newcomer und ihre Gesichter sieht man in Media Markt Werbung und auf BILD Plakaten. Der faule deutsche Stand Up Comedian macht wenig, mit viel Erfolg.

Beim jährlichen, unglaublich traurigen Comedy Preis heimsen sie in aller Regelmäßigkeit Preise ein, seit Jahrtausenden füllen sie riesige Arenen mit ihren müden Punchlines, ihre Themenwahl ist so breit wie eine Briefmarke und subtil ist höchstens die Resignation vor der eigenen Kunst – Der populäre Stand Up Comedian ist in Deutschland abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen eine schrecklich mondäne Angelegenheit, eine Spezies, die sich nie zu weit aus dem Fenster lehnt und mit ein und demselben Programm jahrelange Erfolge einfährt.

Was genau den faulen Stand Up ausmacht und wie man sich vor ihm schützt, erfahrt ihr hier:

1. Alter Ego

Cindy aus Marzahn heißt ja eigentlich gar nicht Cindy und kommt auch nicht aus Marzahn, ähnlich geht es bei Atze Schröder, auch Maddin ist eigentlich ganz anders und Piet Klocke stottert sich auch nicht am Schalter durch sein Briefmarkenkäufe.

Alter Egos sind ein guter Weg, um sich wenig Mühe mit dem eigentlichen Material zu machen, dabei werden bestimmte, natürlich lachhafte Personen nach geahmt, etwa die sozial etwas niedrig gestellte Marzahn-Bewohnerin, die zu viel von sich selbst hält und kein Englisch kann. Oder aber der prollige Türsteher mit ewigem Minipli, der jeden zweiten Satz mit Manta-Sprache veredelt.

Darüber kann das Publikum lachen, weil es sich a.) dadurch besser fühlt, immerhin ist das Publikum weder Marzahn-, noch Türsteher-Proletariat und b.) in seinen eigenen Vorurteilen bestätigt fühlt.

Besonders gekonnt hässliche Kleidung, Sprachfehler und altmodische Frisuren machen sich sehr gut, ist doch klar, dass jemand, der langsam spricht auch etwas dümmlicher ist, ebenso wie ausnahmslos jeder mit Bomberjacke laut und machohaft ist.

Wie erheiternd, da ist es völlig egal, woraus das eigentliche Programm besteht, da kann man ruhig weg hören, da nur wenige Ausnahmen (insbesondere Olaf Schubert), den persönlichen Anspruch haben, trotz bereits witziger Garderobe auch noch gute Comedy zu machen.

2. Oberflächlich und Themenarm

Eins ist klar: Das Publikum will bitte keine komplexen Programme, die tiefgehend mit der Umwelt, Politik oder menschlichen Beziehungen umgehen, stattdesssen sollte es leicht zu verdauen und klischeehaft sein. Männer und Frauen passen nicht zusammen, das ist doch mal ein gutes Thema, Angela Merkel sieht nicht wie Heidi Klum aus – hervorragend, das sind mindestens zwei Stunden Material. Alle Beamten sind total verklemmt – hahahahah, unnachahmlich!

Je enger sich der faule Stand Up sein Themenspektrum steckt, desto erfolgreicher wird er. Dabei sollte er bei diesem Thema aber bloß nicht zum Spezialisten werden, irgendwelche fundierten Studien, Nachrichten oder Klischees amüsant und aufschlussreich aufarbeiten, so dass Comedy am Ende noch Vorurteile abbaut und lehrreich ist. Nein, so etwas sollte unbedingt vermieden werden, denn Comedy dient doch nur für die inhaltsleere Unterhaltung, die am Ende des Abends keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, oder?

3. Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung

Hey, es ist gar nicht so leicht, sich 2 Stunden Stand Up Material zusammen zu denken, deshalb sollte man sich da nicht kaputt arbeiten. Mario Barth – derzeit der wohl bekannteste und erfolgreichste Comedian – hat sich beispielsweise das älteste, leicht zu verarbeitende Comedy Thema der Welt heraus gesucht und einfach noch einmal neu durch den Fleischwolf gedreht, ohne viel daran zu ändern.

Es reicht im Grunde, wenn man den Zuhörer an eine alltägliche Situation erinnert, mehr braucht es nicht, da muss nicht einmal ein Witz zugrunde liegen. „Frauen, nicht wahr?“ – und schon liegt das Publikum lachend am Boden.

Das Praktische daran ist natürlich, dass man sein Programm über Jahrzehnte hinweg kaum verändern muss, Barth wird auch noch 2032 über seine Freundin reden, Cindy wird zwischendurch sicher einmal ernste Comedy versuchen, damit man auch mal sieht, dass sie gar nicht so prollig aussieht, aber sie wird schnell einsehen müssen, dass sich so etwas nicht verkauft, wenn man nicht Dieter Nuhr heißt und damit wirklich etwas von dem versteht, was man da redet.

Nein, das Leben als deutscher Quotencomedian ist schon schwer genug, sich da neue Themen ausdenken, bei denen man noch nicht mal weiß, wie gut die beim Zielpublikum ankommen, ist da einfach zu viel verlangt.

4. Wie schützt man sich?

Natürlich kann man das nur Pi x Daumen so sagen, aber sobald man einen Comedian in alberner Verkleidung oder offensichtlich aufgetragenem Akzent sieht, sollte man sich eiligst aus dem Raum begeben.

Wenn man „Kennen Sie das auch?“ mehr als 30 Mal in den ersten 10 Minuten hört, wenn einem der oder die Comedians weiß machen wollen, dass Frauen ja überraschenderweise anders sind als Männer, dann sollte man den nächstbesten Ausgang suchen und hinaus stürmen.

Wenn man von einem gigantischen Publikum umgeben ist, das eher auf Signal und nicht auf Punchline lacht, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man mitten im Nest eines faulen Stand Ups sitzt. Hier heißt es: durchhalten oder so tun, als müsse man auf Klo und dann möglichst unauffällig das Gebäude verlassen und niemals wieder zurück blicken. Was, der Partner sitzt noch drin? Egal, zu spät, man wird ihn nicht mehr retten können, man sollte froh sein, dass man es selbst geschafft hat.

Dafür, gibt es dann auch eine Belohnung:

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