Schadenfreude: Deutscher Begriff einer universellen Gehässigkeit

Kategorie: Allgemein
6. Jul 2012

Schadenfreude, was wäre Comedy ohne sie, all die stolpernden, sich verhaspelnden und blamierenden Menschen wären nur noch bemitleidenswert und nicht so unglaublich witzig. Aber wo kommt der Begriff eigentlich her und warum empfinden wir Schadenfreude?

Schadenfreude, das wohlige, warme Gefühl, wenn jemand anderes in den sauren Apfel beißt. So wirklich weiß niemand, warum wir so empfinden, auch wenn es diverse wissenschaftliche Studien gibt, die im Verlauf des Textes noch erläutert werden.

Man sollte sich nicht grämen, dass die Engländer kein Wort dafür haben und sich daher das deutsche „Schadenfreude“ ausleihen, das mag weniger daran liegen, dass wir besonders schadenfroh sind, sondern eher damit, dass die Engländer einfach nicht so detailliert beim Benennen von Emotionen sind.

Schadenfreude: Kulturgut unserer menschlichen Schattenseiten

Fakt ist, dass es auch schon damals Schadenfreude gab, den oftmals prophezeiten Verfall der Gesellschaft muss man also mit steigenden Nummern an Fremdschäm-Comedyserien a la „Stromberg“ nicht befürchten.

Ob wir in Slapstick beobachten, wie Jerry Lewis quer durch den Raum stolpert, ob wir zufrieden lachen, wenn der unsympathische Cpt. Harris in „Police Academy“ in vielen, ach was, unzähligen Szenen blamiert wird oder wenn wir einfach kurz in uns hinein kichern, wenn wir einen Kollegen sehen, der seinen Kaffee verschüttet – Schadenfreude findet sich überall.

Warum man lacht, wenn jemand anderem Unglück wiederfährt? Es gibt zwei Theorien, beide schmeicheln uns nicht wirklich.

1. Neid

Je neidischer man auf jemanden ist, desto größer anscheinend die Schadenfreude, das wussten schon die Griechen wie etwa Philosoph Aristoteles, der es etwas umständlich „epikhairekakos“ nannte, das zusammen mit dem Schmerz in einem Trio stand, es jemanden zu neiden, der 1.) unverhofft und unverdient Glück hatte oder sogar 2.) einfach nur (selbst verdient) Glück hatte.

Schopenhauer unterschied zwar zwischen Neid und Schadenfreude, sah sie dennoch in unmittelbarem Zusammenhang als er sagte, dass Neid menschlich, Schadenfreude jedoch teuflisch wäre, er verglich es sogar als theoretisch gleichwertig mit Grausamkeit.

So falsch lagen sie dabei gar nicht, die Philosophen, denn auch die Wissenschaft hat nahe gelegt, dass der Neidfaktor unmittelbar mit der Intensität der Schadenfreude zu tun hat. So konnte fest gestellt werden, dass die Schmerzrezeptoren im Hirn, die bei Neid auf eine bestimmte Person aktiviert wurden, die Intensität der Belohnungsrezeptoren voraus sagen, die aktiviert werden, wenn man sieht, wie diese Person Schmerzen empfindet.

2. Gerechtigkeit

Schadenfreude entsteht im Zuge auch dann, wenn man die angeblich gerechte Strafe einer Person erlebt, die vorher ungerechterweise belohnt wurde.

Hier wurde in einer Studie fest gestellt, dass vor allem Männer positiv darauf reagieren, wenn „böse“ Menschen physisch verletzt werden, da es anscheinend nur rechtens ist, dass sie ihre Strafe erhalten haben.

Neid spielt eigentlich auch hier eine Rolle, denn oftmals sind wir ja neidisch, wenn wir davon ausgehen, dass die andere Person das Glück nicht verdient hat, bzw. dass wir es viel eher verdient hätten. Sehen wir diese Person dann leiden, so fühlen wir eine Art ausgleichende Gerechtigkeit, die in uns ein wohliges Gefühl hervor ruft.

Besonders, wenn wir diese Person auch unsympathisch finden, steigert sich die Schadenfreude, was sicher auch dazu führt, dass die Antagonisten in Komödien oftmals äußerst peinliche und erniedrigende Dinge durchmachen müssen, dass tatsächlich die meisten Antagonisten am Ende die zufriedenstellende Strafe erhalten, gerne auch mit einem coolen Spruch des Helden gespickt, der die Schadenfreude unterstreicht.

Verantwortlich soll dabei auch das Hormon Oxytocin sein, das in einem Test das Gefühl der Schadenfreude steigerte.

Lachen nur bei Antipathie?

Nicht nur in Filmen, auch in Politik und Sport findet sich Schadenfreude, was man sicher schon oft beobachtet hat. So sind die Fehltritte von Politikern und gegnerischen Sportteams eine wahre Freude, nur allzu gerne wartet man auch auf Drogen- oder Sexskandale von Celebrities, die ja oftmals aus uns für unerfindlichen Gründen auf dem roten Teppich stolzieren.

Sicher liegt darin auch die allgemeine Unzufriedenheit, die man mit seinem Leben und seinen Geldsorgen hat, wie auch beim kürzlich vorgestellten „Roast“ werden bei der Schadenfreude unterdrückte Aggressionen frei gesetzt, die mittels Humor dafür sorgen, dass die Anspannung zwischen denen die etwas haben und denen die es nicht haben, gelockert wird.

So kann Schadenfreude beim Lesen von Gossip Magazinen und dem Gucken von Sendungen in denen die Verfehlungen von Politikern gezeigt werden, auch als „Defuser“ (Entschärfer) für soziale Spannungen gesehen werden.

Dabei spielt immer eine große Rolle, was wir von der Person halten. Wenn Tom Hanks die Treppe runter fällt, werden wir wohl eher besorgt sein, weil Tom Hanks der Beste ist. Wenn das Gleiche der Hotelerbin Paris Hilton passiert, wird es wohl den ein oder anderen gedämpften Lacher geben, denn für viele ist es immer noch ein Rätsel, wie sie jemals berühmt werden konnte, dass sie dann auch noch reich geboren wurde, frustriert um so mehr.

Schadenfreude – in Komödien und anderen Comedy Formaten darf man sich darin suhlen, warum auch nicht, es ist ein gutes, schmerzfreies Mittel, eigene Unzulänglichkeiten, Neidgefühle und Aggressionen abzubauen.

Kritisch wird es nur dann, wenn man anfängt, sich auch zu amüsieren, wenn der Kollege sich bei einem Treppensturz das Bein bricht oder die Freundin am Traualtar stehen gelassen wird.

Aber selbst das wäre an und für sich sehr menschlich, selbst wenn Schopenhauer das nicht glauben wollte.

Und dass man manchmal einfach nur lacht, selbst wenn man weder neidisch noch sauer auf jemanden ist…wird wohl weiterhin ein Rätsel bleiben, vielleicht sind wir doch alle des Teufels.

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