Serdar Somuncu: geliebter Hassprediger

11. Okt 2012

Serdar Somuncu ist ein kluger, sensibler Mann. Wenn er bei Kurt Krömer auf der Couch sitzt, dann trifft es „knuffig“ am besten. So einer der auf seiner Facebook Fanseite auch mal fragt, „wie kommen eigentlich die kids, asis und honks, die nachts vor den applestores auf das iphone warten an die kohle?“ Es ist ein großer Kontrast zu seinen lauten Hasspredigten, mit denen er sich in die Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit geschrien hat.

Verwirrend mag das vor allem für Neulinge sein. Regelmäßig verlassen Zuhörer seine Shows, weil sie den „Hassias“ nicht bis zum Ende ertragen können. Somuncu haut gegen alles und jeden, er hasst flächendenkend, wie er selbst sagt.

Serdar Somuncu will kein Komiker, er predigt

Somuncu predigt gegen Schwule, gegen Ausländer, Nazis, Frauen, Männer, Türken, Gymnasiasten und Politiker. Er macht vor nichts halt, geht unter die Gürtellinie und dann noch zwei Zentimeter tiefer. So ist jeder mal dran. Wenn Will Ferrell mit frauenfeindlichen Witzen die Zuschauer zum Lachen bringt, ist das für Somuncu erst der Anfang. Interessanterweise ist sein Publikum genauso vielfältig wie die Themenwahl, ob Deutsche oder Türken, Fließbandarbeiter oder Bildungsbürger, Sermuncu vereint sie alle. Anfangs ist verwunderlich, warum nicht nur eine Horde von grölenden jungen Männern in den Reihen sitzt, doch schnell wird klar: Dieser Mann meint es ernst, niemand kann hier ungestraft über die anderen lachen, denn beim nächsten Witz ist er selbst dran. Wer sich schnell auf Kosten anderer besser fühlen will ist hier falsch.

Die Hasspredigt für die Liebe

Nach einer Show hat man begriffen: Somuncu benutzt das Grobe, um seine sehr differenzierte und intelligente Meinung unter das Volk zu bringen. Seit einiger Zeit wird er eingeladen, zur Tagesschau, zu Anne Will, es gibt unzählige Interviews in renommierten Zeitungen, er sitzt auf der Fernseh-Couch und postet auch selbst im Internet. Was man da liest ist eine andere Auseinandersetzung mit den ganz großen Themen, die er aber schon immer bearbeitet hat. Doch um für Rassismus zu sensibilisieren oder Nazis Paroli zu bieten laß er Anfangs „Mein Kampf“, heute diskutiert er sachlich mit dem Bildungsbürgertum über Rassismus, Integration, alte Denkmuster, verpasste Möglichkeiten unserer Gesellschaft, Selbstbestimmung, Klischees und Vorurteile. So grob seine Shows auch sein mögen, umso leiser argumentiert er bei sachlichen Diskussionen. Einen Mario Barth würde er in Grund und Boden reden und dafür liebt man ihn.

Der Berater für türkische Fragen

Er spricht an, dass es sich auch um Rassismus handelt, wenn er nur über Integration oder Türken, nicht aber über die deutsche Innenpolitik sprechen darf. Er prangert Parteien an, die für die nächste Wahl dem Volk zum Mund reden, er erzählt über die kugelsichere Weste, die er zu vielen Lesungen trägt. Somuncu redet über Toleranz und hofft die Empathie zu stärken. Und dann sitzt er bei der Krömer Late Night Show auf der Couch und fragt Micaela Schäfer, ein weiteres silikoninfiziertes TV-Luder, ob sie es überhaupt spürt, wenn sie was zwischen ihren (aufgespritzten) Lippen hat. Und umarmt sie im nächsten Moment, ganz so als würde er es schaffen, die gesellschaftlichen Umstände anzuprangern, ohne persönlich zu werden.

Der Hassprediger predigt Hass, so schlau und avantgarde, so zielsicher und provozierend, dass sich der Hass für die, die ihm nur lange genug zuhören, in Liebe verwandelt.Similar Posts:

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