Stromberg, The Office (US) oder das UK Original? Ein Vergleich

Kategorie: Kino und TV
27. Jan 2012

Stromberg ist in Deutschland ein mittlerweile doch recht lang anhaltender Hit. Dass die Serie eigentlich ein Remake des britischen „The Office“ ist, mag der ein oder andere darüber fast vergessen haben. Und auch in Amerika schwirrt ein Remake herum. Aber welche Serie lohnt das Einschalten?

Um es kurz zu machen: eigentlich alle, allerdings gibt es feine, lokale Unterschiede, die man nicht ungeachtet lassen sollte.

Als eines der sehr wenigen guten Remakes einer britischen Comedyserie (weniger gut als etwa der Versuch, die IT Crowd auf deutsch zu münzen), schaffte „Stromberg“ so auch seine eigene Nische.

Aber wie hat es eigentlich angefangen?

The Office aus den Händen von Ricky Gervais

Der Golden Globe Moderator ist mit dieser Serie berühmt geworden, zusammen mit Freund und Kollege Stephen Merchant schrieb er die Mockumentary zum Fremdschämen. Ricky Gervais als unangenehm unterqualifizierter Abteilungsleiter David Brent war weniger aggressiv als Christoph Marias Stromberg, sondern war offensichtlich unangenehm berührt, wann immer er in eines seiner unzähligen Fettnäpfchen trat.

„The Office“ ist etwas optimistischer und manchmal sogar absurder, ganz so, wie man es von den Briten erwarten würde.

Mackenzie Crook („Piraten der Karibik“) als Original „Ernie“ aka Gareth Keenan bringt dafür mehr Bissigkeit an den Tag und ist damit umso einiges unsympathischer, als die deutsche Version.

Das britische The Office hat es nur auf zwei Staffeln sowie ein Weihnachtsspezial geschafft, in dem noch ein wenig Happy End gespielt wird, dafür, dass die Remakes allesamt bereits in der fünften und in Amerika sogar schon in der achten Staffel sind, natürlich ein harter Schlag für Fans der Britcom. Doch dafür kriegt man auch eine in sich abgeschlossene Serie, die gar nicht erst die Zeit hat, sich in Stereotype und alte Gags einzufinden, weshalb das Original immer noch am besten ist, vor allem, wenn man „Stromberg“ zu zynisch findet.

Stromberg: Anfänglich als Plagiat gedacht

Am Anfang gab es Ärger, denn Brainpool produzierte die Serie ohne die BBC zu kontaktieren und um Erlaubnis zu fragen. Denen fiel die markante Ähnlichkeit natürlich auf und man einigte sich dann hinter den Kulissen.

„Stromberg“ war von Anfang an ein wenig realistischer getrimmt und mehr als misanthropisch. Wo „The Office“ immer noch etwas Freiraum ließ, um selbst die unangenehmsten Momente leichter zu gestalten, ging „Stromberg“ oftmals in die Vollen.

Vor allem in den ersten Staffeln war das mehr als gekonnt, Christoph Maria Herbst war ein fieser, mit Komplexen versehener Abteilungsleiter, der wirklich kein Blatt vor den Mund nahm und mehr noch als Gervais völlig in der Rolle aufging.

Für Kommunikationsseminare kann man daher die ersten Episoden hervorragend nutzen, um zu zeigen, wie man es nicht machen sollte.

Leider wurde sowohl der Stil, als auch Ton der Serie mit jeder Staffel etwas wiederholender und so garstig, dass man nicht selten überlegt, ob die Zuschauer überhaupt noch mitkriegen, dass etwa Bernie auch mehr als nur ein unausstehlicher Pedant ist und dass es eben nicht probat ist, ihn zu mobben.

Die riesigen Werbekampagnen, die Stromberg für RWE, Hasbro und Müller gestartet hat, sind außerdem ein kleiner Stich für alle, die den Ausverkauf einer Kultserie fürchten.

The Office (US): Etwas alberner, dafür umso langfristiger

Steve Carrell als Chef Michael Scott ist fantastisch gecastet, der eigentliche Star der amerikanischen Version (die im Gegensatz zu „Stromberg“ auch von Gervais und Merchant mit produziert wurde) ist Dwight (der amerikanische Ernie), der von Rainn Wilson gespielt wird. Dwight ist genauso unausstehlich wie Ernie und Gareth, ist jedoch so von sich selbst eingenommen, dass sich eine richtige Fangemeinde um ihn herum gesammelt hat. Kann sich noch jemand an Charlie Sheens Ego 2011 erinnert? So ungefähr ist Dwight in allen 7 Staffeln von The Office.

Vor allem in der ersten Staffel war die offensichtliche Anlehnung an das britische Original unverkennbar, weshalb die Serie auch viel Kritik einstecken musste. Doch spätestens ab der zweiten Staffel gewannen die Schreiber ein wenig an Boden, als sie die Arbeitsverhältnisse an Amerika anpassten und die Serie insgesamt offensichtlicher in den Comedy-Bereich zogen, als die britische oder deutsche Version.

Daher ist das US Office wohl am ehesten mit einer klassischen Sitcom zu vergleichen, die zwar den Doku-Stil hat, jedoch sonst viel zu überzogen ist, um so realistisch zu wirken, wie die anderen beiden Versionen.

Und dennoch hat sie Dwight und ist damit unbedingt zu empfehlen.

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